evaunddarius

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           Unser Alltag in Pi He


Vier Monate sind wir jetzt schon hier in China, im kleinen Dörfchen Pi He.
Umgeben von Bergen und einem Fluß neben der Schule lässt es sich hier echt gut leben.
Was vor allem auch an der Gastfreundlichkeit der Menschen liegt. Zumindest hier, in Nujiang, sieht man, warum China auch das Land des Lächelns genannt wird.
Am 26. September 2009 kamen wir an und wurde auch direkt von der ganzen Schule empfangen. Alle Schüler standen vor ihren Klassenzimmern und applaudierten. Ein schöner Moment!
Danach ging es in unsere Zimmer, die beide im Lehrgebäude liegen.
Für deutsche Verhältnisse sind sie ziemlich karg eingerichtet: ein paar Tische, Bänke oder Stühle, ein Brett, was mit zwei Stützen als Bett fungiert.
Wie sieht nun ein Tag in Pi He aus?
Zunächst einmal sind wir hier um Englisch zu unterrichten.Meistens haben wir unsere erste Unterrichtsstunde um 10:30 Uhr, was aber nicht heißt, das wir ausschlafen können, denn das wird hier nicht gern gesehen.
Nach dem Aufstehen wird sich erst einmal gewaschen, und da es natürlich keine Duschen gibt, macht man das mit der Waschschüssel. Das klappt erstaunlich gut! :)
Danach geht es meistens ins Lehrerzimmer, wo wir an unseren Laptops sitzen und wichtige und unwichtige Dinge machen.
Ist es dann Zeit zum Unterrichten, geht es los in die Klasse, wo, mit guter oder schlechter Laune, durchgepowert werden muss, um die Kinder mitzureißen.
Hat man das einmal geschafft, macht der Unterricht einen Riesenspaß, denn die Kinder haben eine Mordsenergie und einen ausgeprägten Charakter.
Natürlich können wir nicht immer das gleich machen, denn bei 14 Klassen à drei Stufen (sieben bis neun), ist jede einzelne Klasse individuell.
Nach dem Unterricht ist meistens schon Zeit fürs Essen.
Dann gehts in unsere Küche, die die Schule mit allem ausgestattet hat, was man braucht. Das ist nicht selbstverständlich, denn unsere Schule, ist die einzige, die das macht. Um dem Fass den Boden auszuschlagen, müssen wir im Prinzip nicht mal die Zutaten zum kochen kaufen, auch das macht die Schule. Nur wenn wir was extra kaufen, bezahlen wir.
Mit dem was wir in der Küche haben, kochen wir inzwischen sogar schon Chinesisch. Man lernt doch eine Menge dazu, hier. ;)
Nach dem Kochen, Essen und Abspülen, hat man meistens noch ein bisschen Zeit, sich zu entspannen.
Danach geht es meist in die nächste Unterrichtsstunde.
Nach getaner Arbeit, überlegen wir uns, wie wir den Rest des Tages einteilen.
Da gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder wir waschen Wäsche. Per Hand versteht sich!
Oder wir arbeiten an unseren Projekten weiter, bereiten den nächsten Unterricht vor, oder machen einfach nichts.
Um 17:00 Uhr ist schon wieder Zeit zu Essen.
Mit vollen Bäuchen geht es dann ins Lehrerzimmer, wenn wir nicht gerade von Lehrern nach Hause eingeladen werden, um uns "auszuruhen", oder der Strom mal wieder ausfällt.
Der Stromausfall gehört hier in Pi He auch zur Tagesordnung.
Einerseits ist das natürlich störend, weil man so gut wie nicht arbeiten, oder sonstiges machen kann. Man kann sich zwar Kerzen aufstellen um zu lesen, aber auf Dauer ist das auch nichts.
Andererseits gehen wir dann auch einfach Lehrer besuchen, die inzwischen unsere Freunde sind. Bei denen sitzen wir dann, quatschen, lachen, usw. usf.
Danach geht es dann ins Bett, das nach der Eingewöhnungsphase inzwischen richtig gemütlich ist.
Am nächsten Tag beginnt alles wieder von vorn, bzw. es kommt alles anders, denn wir sind hier in China und man weiß nie wie die Dinge kommen.



Die spontane Reise nach Xishuangbanna



Nach den Examinations haben wir uns entschieden in den Urlaub zu fahren. Unser Ziel hieß eigentlich Simao, doch als wir in Dali angekommen waren, um von dort weiter nach Simao zu fahren, fuhr leider kein Bus nach Simao. So haben wir uns spontan dazu entschieden nach Xishuangbanna zu fahren, welche auch eine Präfektur ist, südlich von Simao.

Die Busfahrt war lange und spannend, denn wir wussten nicht wo wir landen würden. Wir hatten keine Vorstellung davon, wie es dort aussehen würde und wo der Busfahrer uns aus dem Bus „schmeißt“. Denn das hatte er auf der Fahrt einmal versucht.

Wir hatten ihm in Dali erklärt, wir wollen nach Simao, da aber kein Bus nach Simao fuhr, hatte er uns vorgeschlagen uns mit nach Xishuangbanna zu nehmen. Während der Fahrt und sozusagen mitten in der Nacht, hielt der Bus an und der Busfahrer kam zu uns, um uns zu sagen, dass wir in Simao wären, und wenn wir weiter nach Xishuangbanna wollten, müssten wir ihm mehr bezahlen.

Das haben wir natürlich nicht zugelassen, denn vorher hatten wir etwas anderes vereinbart. Der Busfahrer zog wütend ab und ist weitergefahren.

In Xishuangbanna angekommen, waren wir wie auf Wolke sieben. Wir konnten es nicht fassen, in was für einer Gegend wir waren.  Wir fuhren über den Mekong mitten in die Hauptstadt Jinghong. Überall in der Stadt waren wunderschöne Palmen zu sehen, die Sonne schien in vollen Zügen und die Menschen sahen so anders aus, als bei uns in Nujiang.

Wir waren sehr aufgeregt.

Die Tage in Jinghong waren sehr schöne Tage und das Hotel war eines der besten unserer ganzen Reise.Wir besichtigten die Stadt, fuhren in einen Wildpark, um wilde Elefanten zu sehen und schauten uns buddhistische Tempel an.

Im Wildpark hatten wir leider nicht die Chance wilde Elefanten zu sehen, denn sie hatten sich wohl zu diesem Tag entschieden nicht zur Wasserstelle zu kommen und sich uns nicht zu präsentieren.

Der eigentliche Höhepunkt sollte die berühmte weiße Pagode sein, doch wir waren ein bisschen enttäuscht, denn wir hatten sie uns größer, schöner und majestätischer vorgestellt. Dennoch war es ein schönes Erlebnis sie gesehen zu haben.

Alles in Allem kann man sagen, dass der Aufenthalt in Xishuangbanna ein perfekter Ferienbeginn war und sich die spontane Reise dorthin auf jeden Fall gelohnt hat. Wir hatten sehr viel Spaß, hatten die Chance sehr viel zu sehen und haben die Zeit dort sehr genossen.

 

 


Mit Elan nach Simao

 

Simao war eine eher ungeplante Station unserer Reise, in dem Sinne, dass wir zwar Orte kannten, aber überhaupt nicht wussten, was es denn dort zu sehen gibt. Was sich in der ersten Stadt, die wir in diesem Kreis besuchten, auch rächte. Pu`Er. Das Teeparadies schlechthin! Was hat man sich vorgestellt. Wo solch berühmter Tee herkommt, muss es natürlich auch schön sein.

Die Realität holte uns spätestens ein, als wir auf der Suche nach einem Hotel waren.

Mit vollen Trekkingrucksäcken bahnten wir uns durch die Stadt, und als wir endlich eine Bleibe fanden, stellte sich in den ersten Minuten heraus, dass die Leute besonders unfreundlich und das Hotel auch nicht besonders toll waren.

Naja, so schnell lässt man sich natürlich nicht entmutigen, also ging es nach einer kurzen Verschnaufpause in die Stadt um zu schauen, was denn Sehenswert ist.

Nach einiger Zeit waren wir einfach nur glücklich, ein Restaurant gefunden zu haben, dass nicht ganz so teuer war.

Nun musste der weitere Verlauf unserer Reise geplant werden. Fest stand: erst einmal raus aus Pu`Er. Aber wohin? Das chinesische Neujahr stand vor der Tür, und man wollte schon irgendwo sein, wo man es richtig miterlebt.

Also suchten wir erstmal Dali aus, das ist ein Bezirk direkt neben Nujiang, wo auch andere Freiwillige sind. Wir gingen also auf Nummer sicher.

Am nächsten Tag stellte sich raus, dass gerade an diesem Tag kein Bus nach Dali fuhr. Nun denn, dann woanders hin, Hauptsache weg hier.

Auf gut Glück suchten wir den Ort Mojiang aus…was sich noch als Glückstreffer erweisen sollte.

Da wir noch eine relativ lange Wartezeit in Pu`Er hatten, bis der Bus kam, gingen wir noch einmal kurz in die Stadt, wo wir auf einen Teeladen stießen, der doch ganz gut aussah.

Die nächsten eineinhalb Stunden wurden mit diversen Tees verbracht, Kommentaren, die vorgaukelten, dass wir uns mit Tee wenigstens ein bisschen auskannten und schlussendlich mit dem Kauf von Tee. Diese Teeprobe machte fast alles wett und wir gingen guter Dinge wieder zur Busstation, wo der Bus auch schon bald kam.

In Mojiang angekommen, wartete gleich ein Empfangskommitee auf uns, in Form einer Frau und ihrer kleinen Schwester, die uns gleich ins nächste Hotel führten. Ein Bahnhofshotel, wie sich herausstellte.

Am nächsten Tag wurde schnurstracks ein besseres Hotel gesucht und gefunden. Von dort aus konnte man die Stadt erkundschaften.

Mangels Internet durchforsteten wir die Stadt, und wurden fündig.

Ein wirklich schöner Park, der uns ein paar entspannte Stunden bescherte.

Mit mehr Elan als vorher, suchte man am nächsten Tag die nächste Attraktion…und wir wurden wieder fündig! Ein konfuzianischer Tempel, der in Gässchen versteckt, wunderschön gelegen war.

Relativ schnell hatte man alles gesehen und Fotos geschossen, aber die nächsten zwei Stunden, die wir uns in ein Tor im Tempel setzten und einfach quatschten, waren wiederum sehr erholend.

Generell waren die Tage in Mojiang, nach Pu`Er sehr angenehm und mit gutem Gefühl konnten wir unsere nächste Station ansteuern.

 

 

Unser Glück in Dali


Wir hatten es uns eigentlich ganz anders vorgestellt, doch wie es in China nun mal ist, kommt alles ganz anders, als man sich vorstellt.

Ich habe eine Freundin in Deutschland, die aus Beijing kommt. Ihre Familie hatte es für uns organisiert, dass wir bei einer befreundeten Familie in Kunming das chinesische Neujahrsfest feiern konnten. Doch diese Familie ist dann in den Urlaub gefahren. Wir hatten nur leider schon Tickets nach Kunming gekauft. Dagegen konnten wir nun nichts mehr tun. Da wir nun nicht mehr nach Kunming konnten, wurde für uns organisiert, dass wir nach Dali gehen konnten.

Das Lustige an der Sache ist, dass wir uns vorher überlegt hatten wohin wir fahren wollten und wir hatten uns gegen Dali und für Kunming entschieden, unabhängig von den Familien mit denen wir feiern konnten.

Wie es in China nun mal ist, sind wir dann über Kunming nach Dali gefahren. Ein totaler Umweg ;) Aber das machte nichts, denn die Vorfreude mit einer chinesischen Familie das wichtigste Fest des ganzen Jahres feiern zu können lockte natürlich sehr, da nahmen wir den Umweg gerne auf uns.

In Dali angekommen wurden wir von unserem persönlichen Guide abgeholt. Er wurde von der Familie engagiert, um uns in Dali herumzuführen und uns die Tage über zu begleiten.

Wir wurden in einem typischen chinesischen Hotel untergebracht, welches sehr gut war. Eine super Unterkunft.

Wir haben sehr viele Sehenswürdigkeiten gesehen und sind wie die Chinesen von einem Ort zum anderen gegangen.

Wir haben uns sagen lassen, die Chinesen machen das so, sie gehen von einem Platz zum Nächsten und fotografieren so viel wie möglich, um an vielen Plätzen sozusagen gleichzeitig zu sein und um ihren Freunden die Bilder zeigen zu können, wo sie schon überall waren.

Sehr beeindruckend waren die drei Pagoden, Butterfly Spring und eine Gondelfahrt auf einen Berg. Wir sind mit einer Gondel auf einen Berg gefahren, wo wir die Möglichkeit hatten einen Wasserfall zu besichtigen und ein bisschen wandern zu gehen.

Das Panorama war berauschend. Wir konnten von dem Berg auf ganz Dali und den berühmten See gucken.

Wir waren Touristen in Dali, was uns nicht so gefallen hat, denn Touristen beziehungsweise Ausländer sind in Dali eigentlich nicht gerne gesehen, weil es immer zu viele auf einem Haufen sind. Da wir uns mittlerweile nicht mehr als Touristen sehen, sondern als Mitglieder dieser Kultur, war es für uns sehr schwer in die Rolle des Touristen zurückgesteckt zu werden.

Insgesamt hatten wir sehr schöne Tage in Dali, was wir eigentlich nur den Familien zu verdanken haben. Wir wurden behandelt, wie ein Teil der Familie und das macht uns sehr glücklich, wofür wir uns hier nochmal rechtherzlich bedanken wollen.

 

Nicht alles ist Gold was glänzt

 

 

Unsere letzte Station in den Ferien war Dehong. Das ist ein Kreis, nahe Nujiang, wir waren also fast wieder zu Hause.

Nachdem wir wussten, dass es am 20.02 zurückgehen musste, hatten wir nicht mehr so viel Zeit und überlegten uns, wie wir sie nutzen könnten.

Eigentlich hatten wir uns überlegt, noch zwei Städte zu besuchen, und uns mehrere Sehenswürdigkeiten anzuschauen, doch wie das in den Ferien nun so ist, blieben wir doch in Mang Shi, der Hauptstadt von Dehong um die letzten Tage in den Ferien zu genießen und nicht von Ort zu Ort zu hetzen.

Nichtsdestotrotz gab es in Mang Shi natürlich auch etwas zu sehen, und zwar die „weltberühmte“ goldene Pagode, wie im Internet stand.

Um diese zu sehen, musste man auf einen Hügel fahren, der mitten in der Stadt lag.

Von unten sah die Pagode auch prächtig aus, doch oben angekommen, wartete diese Attraktion mit vielen Touristen auf. Naja, das kannten wir inzwischen ja. Also, schauten wir uns dieses goldene Gebilde mal an.

Gelohnt hat es sich im Endeffekt schon, aber diese gekünstelten Buddhas mit ihrem Heiligenschein in Form von Neonleuchten um den Kopf nehmen manchmal doch ein bisschen die Ehrfurcht. Wie dem auch sei, es ist auf jeden Fall sehr schön zu sehen, wie Chinesen ihre Ehrerbietung zeigen, und Opfergaben an den Altar legen und sich dreimal vor den Buddhastatuen verbeugen.

Schön zu sehen, das im fortschrittlichen China auch noch Tradition erhalten geblieben ist.

Wieder vor der Pagode wurden noch ein paar Fotos geschossen und die geniale Aussicht auf die Stadt genossen und dann ging es auch schon wieder ins Hotel.

Am nächsten Tag machten wir dann…einfach mal nichts. J

Wir blieben hauptsächlich im Hotel, im Prinzip einfach nur, weil uns danach war. Ein sehr erholsamer Tag.

Den darauffolgenden Tag, trieb uns doch die Neugierde auf einen kleinen buddhistischen Tempel raus aus dem Hotel und so gingen wir fünf Minuten durch kleine Gässchen um dann auf den Tempel zu stoßen.

Zwar war die Buddhastatue wieder heilig mit Neon beleuchtet und kräftig in Gold gehalten (wir vermuteten durch die Nähe zu Myanmar, wo unseres Wissens nach, Gold oder goldene Farbe gerne verwendet wird), aber Touristen gab es nicht, und so saßen wir wieder mal vor einem Tempel, wie in Mojiang und quatschten einfach drauf los. So verging die Zeit wieder im Flug und schon war es wieder Abend.

Da war auch schon der 19. Februar und so war der nächste Tag der Abreisetag.

Schlimm war das nicht, denn wir hatten die gesamte Westhälfte der Provinz Yunnan gesehen, welche die schönere sein soll, und fühlten uns auch gut ausgeruht und bereit, dem Schulalltag gegenüberzutreten.

 

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